Unter welchen Voraussetzungen kann (darf) ich eine Pflanzenkläranlage (PKA) bauen (lassen) und benutzen?

Rechtliche Voraussetzungen für den Bau von PKA

Durch die Genehmigungsbedürftigkeit jeglicher Benutzungen von Gewässern gemäß §2 Wasserhaushaltsgesetz wird dem Staat die Hoheit über die Gewässerbenutzung verliehen. Das gilt insbesondere auch für die Abwasserentsorgung. Sie wird von den Gemeinden bzw. den von ihnen gebildeten Abwasserzweckverbänden (AZV) ausgeübt und durch Satzungen geregelt.

Fall 1: AZV mit dezentralem Abwasserbeseitigungskonzept.
Alle Abstimmungen zum Bau einer eigenen Hauskläranlage (KKA) führt der Grundstückeigentümer mit dem AZV durch. Der Grundstücksbesitzer übernimmt dann in der Regel Planung und Baukosten der KKA, der AZV hingegen in der Regel gebührenpflichtig Abnahme, Wartung und Kontrolle der KKA.

Fall 2: AZV mit zentralem Abwasserbeseitigungskonzept.
In diesem Falle muss das betroffene Grundstück (zeitweilig) aus der Zuständigkeit des AZV herausgelöst (Freistellung des AZV von der Abwasserentsorgungspflicht) und direkt der Unteren Wasserbehörde unterstellt werden. Das wird nur geschehen, wenn (noch) keine öffentliche Kanalisation vorhanden oder in den nächsten (ca. 10) Jahren geplant oder wenn das Grundstück abgelegen (unwirtschaftlicher Anschluss) ist. In vielen Bundesländern werden momentan keine neuen Kanalnetze gebaut. Danach stellt der Grundstückseigentümer einen Antrag an die Untere Wasserbehörde auf Erteilung einer wasserrechtlichen Erlaubnis für das Einleiten von Abwasser in ein oberirdisches Gewässer oder in das Grundwasser (Versickerung - erlaubnisfähig nur wenn Entfernung zu oberirdischen Gewässer zu weit, kein Schutzgebiet u. versickerungsfähiger Boden - Sickertest) mit einem kompletten Unterlagensatz (Antrag, Flurkarte, Lageplan bzw. Grundstückentwässerungsplan, Anlagenbeschreibung, -dimensionierung, Bauzeichnung usw.).

Fall 3: Abwasserfreies Grundstück.
Theoretisch würde bei weitgehender Vermeidung von Abwasser (z.B. Kompostiertoilette statt WC oder Vakuumtoilette und Anschluss an Biogasanlage) und kompletter Wiederverwendung des gereinigten Abwassers im eigenen Haushalt (Grau- u. Gelbwasser durch PKA reinigen u. anschließend zur Grundstücksbewässerung nutzen) kein Abwasser mehr zu entsorgen sein. Dieser Meinung widerspricht jedoch die deutsche Rechtssprechung (Referenzurteile bis BGH, z. B. www.abwasser-dezentral.de/versickerungen.php ). Anders wenn es gelingt einen Aufbereitungskreislauf mit Trinkwasserqualität zu schaffen (z. B. mit Hilfe von Membranfiltern, s. Brauchwasseraufbereitung), da Trinkwasser zweifelsfrei kein Abwasser ist.

(Bau)technische Voraussetzungen für den Bau von PKA

Eine Kleinkläranlage (KKA) muss die Anforderungen nach Anhang 1 (Häusliches und kommunales Abwasser) der Abwasserverordnung (AbwV) bezüglich der Reinigungsleistung bzw. der maximal zulässigen Restverschmutzung erfüllen. Außerdem muss eine KKA dem Stand der Technik entsprechen, der in der DIN 4261 und Landesvorschriften (VwV, Richtlinien, Runderlasse usw.) näher beschrieben ist. In den meisten Bundesländern sind Pflanzenkläranlagen (PKA) dort gelistet. In den übrigen Bundesländern (u. a. Sachsen) muss die Behörde eine sog. Einzelfallentscheidung treffen. Für eine anforderungsgerechte PKA hat der ATV-DVWK e.V. das Arbeitsblatt DWA-A262 mit zahlreichen Vorgaben und Empfehlungen verfasst, an dem sich viele Behörden bei der Erlaubniserteilung orientieren.

Geländeseitige Voraussetzungen für den Bau von PKA

Für die Ableitung des gereinigten Abwassers aus einer KKA braucht man entweder ein oberirdisches Gewässer möglichst in der Nähe oder einen versickerungsfähigen Untergrund. Die Sickerfähigkeit muss mit einem Sickertest im sog. Schurf gemessen und im hydraulischer Nachweis protokolliert werden. Eine PKA braucht ausreichend Platz. Die benötigte Fläche hängt von der Bauausführung ab und beträgt 5 bis 10 m² pro angeschlossenen Einwohner. Außerdem müssen die Abstände zur Nachbarbebauung (Fenster zu Wohnräumen, in dem früheren ATV-A262 waren mindestens 25 m angegeben) ausreichend bemessen sein. Um Heber oder Pumpen zu erübrigen, sollte vorzugsweise Geländegefälle in Richtung PKA und Einleitstelle vorhanden sein.

Benutzungsseitige Voraussetzungen für Bau von PKA

In das Abwasser dürfen grundsätzlich keine gefährlichen und nicht abbaubaren Stoffe (Gifte, Säuren, Desinfektionsmittel, Salze, hochchlorierte organische Verbindungen, Schwermetalle usw.) eingebracht werden. Auch schwer abbaubare Stoffe (insb. in Haushaltchemikalien z.B. Beistoffe der Waschmittel EDTA, Tenside, Bleichmittel, Aufheller) sollten vermieden werden. Sie können selbst in einer PKA mit der sehr hohen Durchlaufzeit möglicherweise nicht vollständig abgebaut werden. Eine PKA lässt sich günstig in die Gelände- bzw. Gartengestaltung einbinden. Jede KKA muss regelmäßig kontrolliert und gewartet werden (s. a. Betrieb und Wartung).

Finanzielle Voraussetzungen

Die Investitionskosten für eine KKA betragen ca. 1500 € pro angeschlossenen Einwohner. Dieser Geldbedarf lässt sich bei einer PKA durch Eigenleistungen um bis zu 30% reduzieren Die jährlichen Betriebskosten (überwiegend Stromkosten) belaufen sich bei einer KKA je nach Bauart und Wartungsvertrag auf ca. 20 bis 250 € pro angeschlossenen Einwohner, ggf. zuzügl. Abwasseranalyse von 50 bis 200 €. Eine PKA kann u. U. ohne Pumpen auskommen, so dass die Betriebskosten an der unteren Grenze liegen. Manchmal werden für Bau oder Nachrüstung vollbiologischer Klärstufen Fördermittel ausgereicht (z. B. in Sachsen ab 2007 auch für PKA, s. www.sab.sachsen.de/servlet/PB/show/1037972_l1/0066v03b07.pdf, www.smul.sachsen.de/de/wu/aktuell/foerderung/downloads/Verfahren_zur_Foerderung_von_privaten_Kleinklaeranlagen_nach_RL_SWW_2007.pdf )