Einsparung durch die Temperierheizung

  • Eine Trockenlegung durch teure technische oder chemische Maßnahmen mit keinem oder nur kurzfristigen Erfolg wird nicht mehr notwendig.
  • Instandhaltungsaufwand der Gebäudehülle reduziert sich.

Energieeinsparung

Eine Einsparung von Wärmeenergie von über 20 % ist möglich. Erreicht wird dies durch:
  • Hoher Anteil von Wärmestrahlung der Heizungswärme ermöglicht niedrigere Raumlufttemperaturen und führt zu gespeicherter Wärme in den Räumen.
  • Lüftungswärmeverluste werden minimiert.
  • Wärmedämmung der Baustoffe wird durch Austrocknung verbessert.
  • Unterschreitung der Taupunkttemperatur der Raumluft und damit Aufnahme von Kondensatfeuchte wird verhindert.
  • Wärmegewinne durch Sonneneinstrahlung werden erhöht.

Zielstellung

ð Maximale Strahlungswärme – minimale Strömung von erwärmter Luft ð Warme senkrechte Wandflächen ð Raumnutzung bestimmt die Art der Wärmeverteilung ð Vorlauftemperaturen je nach Zweck und Möglichkeiten sind von ca. + 25 bis + 70°C ð Durchschnittliche Wandoberflächentemperaturen in Räumen mit hoher Aufenthaltsdauer (nach Ledwina) von + 23 bis 28°C – aber keine thermische Monotonie mit überall gleichen Temperaturen ð Raumlufttemperatur unter +18°C. ð Temperierkreisreglung für jeden Strang ð Einzelraumreglung für Temperierheizung

Ausführung

Die Art der Ausführung am konkreten Bauwerk richtet sich prinzipiell nach der Nutzung der einzelnen Räumlichkeiten und der vorhandenen Bausubstanz. Der Schwerpunkt der bisherigen Nutzung ist die Altbausanierung und der Denkmalschutz.

Ein sinnvoller Einsatz von Temperierheizungen für die wohnliche oder gewerbliche Nutzung der Gebäude ist ab einer Mauerstärke von 36 cm möglich. Für dünnere Wände ist eine thermische Entkopplung der Heizflächen mit Dämmmaterial notwendig. Fachwerk sollte mit Leichtlehm (Trockengewicht < 800 Kg/m³) auf 30 bis 40 cm verstärkt werden.

Als grobe Unterscheidungsmerkmale können gelten:

1. Sockel- bzw. Grundmauertemperierung

Substanz schonende Konservierung durch Austrocknung und Trockenhaltung von Mauerwerk (Ziegel, Naturstein, Fachwerk) gegen anliegende Kapillarfeuchte im Bereich der Grundmauern.

Ohne Keller:
Im Erdgeschoss im Bereich der üblichen Scheuerleiste wird an der gesamten Außenwand-Innenseite eine Rohrschleife mit einem Rohrdurchmesser von 15 bis 22 mm Ø durch mineralischen Mörtel an- oder eingeputzt. Am besten geeignet ist ein magerer sandhaltiger Lehmmörtel (Lehm-Oberputz).

Mit Keller:
Die im Erdreich liegenden Räume haben in der Regel Wandtemperaturen von + 6 bis 12 °C. In diesen Kellerräumen wird eine natürliche hohe Wandfeuchte auch durch den kapillaren Wassertransport im Erdreich verursacht. Eine sinnvolle Vermeidung des ungewollten Transports der Feuchte ist durch die Erhöhung der Oberflächentemperatur der Wände erreichbar. Die Oberflächentemperaturen sollten 5 bis 10°C über der Erdtemperatur liegen. Hohe Oberflächentemperaturen sind der sicherste Schutz gegen entstehende Kondensfeuchte und nicht drückendes Wasser aus dem Erdreich. Durch die Temperatur- und Dampfdruckunterschiede wird das Wasser unter der Bodenplatte verdrängt und eine Wärmelinse bildet sich unter dem Haus im Erdreich aus.

Eine vielfältige Nutzung dieser Räume wird nur durch eine Anhebung der Oberflächentemperaturen möglich. Dazu wird der Vorlauf einer Warmwasser-Rohrschleife an der Kellersohle eingebracht. Der Rücklauf befindet sich ca. 80 cm höher. Die Vorlauftemperatur dieser Warmwasserleitungen beträgt kontinuierlich über das ganze Jahr +25 bis 40°C. Durch die Nutzung von Solarthermie ist ein Betrieb kostengünstiger. Optimiert wird dieses Verfahren durch einen diffusionsoffenen Grundmauerschutz. Die Außenwände werden dabei bis zur Mauerwerkssohle frei gegraben. Zwischen Grundmauer und Erdreich wird durch eine Schalung ein ausreichender Luftspalt eingebracht. Unter diesem Luftspalt werden Drainagerohre sachgerecht verlegt. Von außen eindringendes Wasser wird durch die Schalung vor dem Mauerwerk in die Drainage abgeleitet.
Diffusionsfeuchte aus dem Mauerwerk kondensiert im Luftspalt und wird durch die Drainage ebenfalls abgeführt. Ein Abdichten des Mauerwerkes mittels Anstrichen, Beschichtungen, Folien und Dämmstoffen ist falsch und schließt diese Funktion aus. Die Feuchte steigt in der Wand nach oben bis eine Ablüftung möglich ist. Eine starke Nutzung von Kellerräumen als Wohn- oder Gewerberaum sowie starker Publikumsverkehr bzw. eine nicht vermeidbare Zuluft von warmer und feuchter Außenluft (z.B. im Sommer) führt zu Kondensfeuchte und ist mit Schimmelproblemen verbunden. Zu deren Vermeidung ist eine Temperierung der Wände ebenfalls tauglich.

2. Außenwandtemperierung

Hauptzweck ist die Substanz schonende Konservierung durch Austrocknung und Trockenhaltung. Massiv- und Natursteinmauerwerk sowie Fachwerk wird gegen Kapillar- und Kondensfeuchte sowie Klimaschwankungen geschützt. Der Vorlauf der Temperierleitung befindet sich auf allen Etagen des Gebäudes im Bereich der üblichen Scheuerleiste. Der Rücklauf kann ca. 60 cm darüber liegen. Tür- und Fensterlaibungen können mit ausgestattet werden.

3. Außen- und Innenwandtemperierung

Kulturhistorisch wertvolle Gebäude und deren Einrichtung sind in der Regel nicht für starken Publikumsverkehr ausgelegt. Schaden durch Feuchte bei einer derartigen Nutzung lässt sich in der Regel ohne erheblichen Aufwand und laufende Kosten an Lüftungs- und Klimatechnik nicht abwenden (z.B. Schimmel in der Frauenkirche Dresden). Mit Anhebung der Oberflächentemperaturen durch eine gleichmäßige und kontinuierliche Temperierung der Außen- und Innenwände sind Schäden mit einfacheren Mitteln vermeidbar. Die Unterschreitung der Taupunkttemperatur von hoher Raumluftfeuchte ist niedrigen Oberflächentemperaturen geschuldet. Ein Vergleich von Raumlufttemperatur, Raumluftfeuchte und Oberflächentemperaturen mit einer Taupunkttabelle bringt Gewissheit. Zur Verhinderung von Schäden wird eine temperierende Warmwasserleitung betrieben. Mit niedrigen Vorlauftemperaturen von +25 bis 40°C kontinuierlich werden über das ganze Jahr damit die Wände angewärmt.

4. Temperier- und Strahlungsheizung

Der Betrieb einer Temperierheizung dient vordergründig der Sicherung der thermischen Behaglichkeit für die Bewohner. Der Schwerpunkt liegt also bei HEIZUNG. Gleichzeitig erfolgt trotzdem die Mitwirkung bei der Trockenhaltung bzw. Austrocknung des Gebäudes, die Vermeidung von Wärmebrücken, die Verhinderung von Schwitzwasser, Schimmel und Schwamm. Ausgangspunkt aller Betrachtungen zum Thema Heizung sollte deshalb das Behaglichkeitsdiagramm sein. Bei Nutzung Gebäuden schwerer Bauart (Museen, Kirchen, Schlösser usw.) sind in den letzten Jahren umfangreiche Probleme durch Feuchte bekannt geworden. Zehntausende Fachwerkhäuser sind durch falsche Baustoffe und „moderner“ Heiztechnik geschädigt. Der kulturhistorische Wert des Gebäudes und die Art der Nutzung bestimmen den Einsatz der Mittel der Wärmequellen. Der Eingriff in die Gebäudesubstanz zur Verlegung von Temperier- oder Heizungsrohren ist dabei von entscheidender Bedeutung. Eine den Charakter der Baulichkeit verändernde Auswirkung darf nicht eintreten. Ästhetische Auswirkungen müssen vorher sorgfältig geplant werden. Dieses könnte z.B. störende Schlitz- und Putzarbeiten oder durch großflächige Strahlplatten vorkommen.

Besonders geeignet ist eine Anwendung von Temperierheizungen bei Hochwasserschäden.
Sehr gute Ergebnisse zeigen sich in der Jungtieraufzucht und bei der Tierhaltung in Ställen.
Aber auch bei Neubau von Wohngebäuden sind Schäden und Kosten durch Neubaufeuchte und Wärmebrücken vermeidbar.

Als Quelle für großflächige Strahlungswärme sind Wandheizungen mit Eingeputzten Heizungsrohren unterschiedlichster Dimensionierung und Ausführung möglich. Senkrechte Heizflächen sollten in Wohngebäuden nicht über einer Höhe von 1,5 m angebracht werden. Fertige Systeme mit Kunststoffrohren sind auf Grund fehlender Sauerstoffdichtheit nicht zu empfehlen.

Bei richtiger Berechnung und Ausführung ist Kupfer- oder Kunststoffverbundrohr von der Rolle günstiger. Auch Trockenbausysteme mit Wärmeleitblechen sowie Randleisten-Kleinkonvektoren sind vor allem im Wohnungsbau effektiv. Die größte Effektivität läst sich mit Wärme-Strahlplatten erreichen. Deren Form und Ausführung kann sehr vielgestaltig sein und lässt sich im Sommer auch zur Kühlung nutzen.

Je größer die erwärmte Fläche umso niedriger kann die Vorlauftemperatur der Heizung sein. In der Regel beträgt diese + 70 °C.