Funktion der Temperierheizung

Im Bereich der senkrechten Wände der Gebäudehülle werden zu deren Erwärmung auf der Innenseite Rohre für Warmwasser an- oder eingebracht. Diese Wärme breitet sich durch Wärmeleitung ringförmig als Isotherme im Baustoff um das Rohr aus. Die Erwärmung der Innenseite der Wände führt zur Verdunstung des Porenwassers, der mineralischen Baustoffe in den Innenraum. Diese frei werdenden Poren füllen sich mit Luft. Der gute Wärmeleiter Wasser wird durch den schlechten Wärmeleiter Luft verdrängt. Bei kontinuierlicher Zuführung von Wärme wird die Verdunstung von Feuchte in den Innenraum beendet. Transport von Feuchte findet dann im Baustoff der Wand statt. Der Transport von Feuchte im Baustoff richtet sich nach dem Temperatur- und Dampfdruckgefälle in der Wand. Die Oberflächentemperatur der Raumwand- Innenseite ist der Ausgangspunkt der Betrachtung.

Der Energietransport erfolgt von Warm nach Kalt. Daran gekoppelt ist der Feuchtetransport. Je nach Rohrtemperatur und Temperaturgefälle in der Wand folgt der Wassertransport jetzt dem Wärmetransport nach außen. Am effektivsten ist die Funktion demzufolge im Winter. Dieser Transport der Wandfeuchte nach außen bedingt einen diffusionsoffenen Wandaufbau und eine Temperaturdifferenz zwischen innen und außen von größer 5°C. In Höhe des erwärmten Rohres wird der kapillare Transport des Wassers im Mauerwerk unterbrochen. Es entsteht eine thermische Horizontalsperre im Mauerwerk. Mit zunehmender Austrocknung gehen auch die Wärmeleitung und damit die benötigte Wärmeenergie zurück. Durch die Austrocknung der Wände wird deren Wärmedämmung verbessert und Schimmel- bzw. Schwammbildung verhindert. Zur Verdrängung von 1 Liter Wasser wird eine Wärmemenge von ca. 1 kW/h benötigt.

Ein kontinuierlicher Betrieb vermeidet Anheiz- und Abkühlphasen und verhindert weiteren Wassertransport. Der Wechsel von Feuchte und Temperaturen durch Klimaveränderungen der Jahreszeiten wird ausgeglichen. Die Funktion der Gebäudehülle zur Pufferung von Klimaschwankungen wird optimal erfüllt.

Durch die Erhöhung der Oberflächentemperatur der Innenseite der Wände wird die Behaglichkeit für die Bewohner wesentlich erhöht. Nach dem Behaglichkeitsdiagramm für den Bewohner Mensch kann dadurch die Lufttemperatur im Raum abgesenkt werden.

Die Gebäudehülle ist wärmer als die damit systematisch kühlere Raumluft. Die Absenkung der Raumlufttemperatur um 1 °C bewirkt eine Energieeinsparung von 6 %. Bewegungen feucht-warmer und verschmutzter Raumluft werden minimiert. Damit entfallen Staubverschwelung und Schmutzfahnen über Heizkörpern. Die zur Kondensfeuchte führende Unterschreitung des Taupunktes hoher Raumluftfeuchte findet nicht mehr statt. Feuchteschäden an Ausstattung von Museen wie Bemalungen, Tapeten, Vorhängen, Gemälden usw. werden vermieden.

In Kirchen finden Schimmel und Holzschädlinge in Balkenwerk, Orgel, Schnitzereien und Gestühl keine idealen Lebensbedingungen mehr.

Lehmfachwerk ist nicht mehr durch faulende, organische Bestandteile gefährdet.

Kalte und feuchte Raumecken zur Schimmelbildung können sich nicht mehr bilden.

Maßnahmen zur Instandhaltung der Gebäudehülle werden reduziert.

Die Strahlungswärme der Sonne kann durch fehlende Verdunstungskälte an der äußeren Oberfläche der Wände in den trockenen Wänden effektiver aufgenommen und gespeichert werden.